Wenn jemand daran denkt, ein Spezialitätenkaffee-Café in Spanien zu eröffnen, führt der Instinkt nach Madrid oder Barcelona. Das ist verständlich: Es sind die beiden Städte mit der größten Szene, der höchsten Sichtbarkeit und der ausgeprägtesten Third-Wave-Kultur. Doch genau deshalb ist dort auch der Wettbewerb am härtesten, und die Mieten in Prime-Lagen belasten die Marge am stärksten.
Die kluge Frage lautet nicht «Wo gibt es den meisten Spezialitätenkaffee?», sondern «Wo gibt es ausreichend Nachfrage und noch wenig Angebot?». Diese Lücke definiert eine gute Markteintrittschance.
Die absolute Zahl der Spezialitätencafés zu zählen, täuscht. Nützlich ist die relative Dichte: Lokale je 100.000 Einwohner. Unter diesem Blickwinkel weisen Städte wie Bilbao, San Sebastián oder A Coruña Dichten auf, die mit Barcelona vergleichbar oder sogar höher sind, obwohl es sich um deutlich kleinere Märkte handelt — ein Zeichen für eine reife, aber auch umkämpfte Szene.
Am anderen Ende erscheint der Süden der Halbinsel (Málaga, Sevilla) in den Verzeichnissen unterversorgt: gutes Einkommen und starker Tourismus, aber weniger sichtbares Spezialitätenangebot. Dieses Ungleichgewicht zwischen potenzieller Nachfrage und aktuellem Angebot ist genau der Ort, an dem ein neuer Betreiber gewinnen kann.
Valencia, Málaga, Bilbao, A Coruña oder Saragossa vereinen drei Faktoren, die in Madrid oder Barcelona selten zusammentreffen: mittleres bis hohes Einkommen, wachsenden Tourismus und ein noch nicht gesättigtes Spezialitätenangebot. Für eine Marke am Anfang bedeutet der Wettbewerb in einem Markt zweiter Reihe meist geringere Eintrittskosten und einen höheren Bekanntheitsanteil je investiertem Euro.
Die richtige Stadt zu treffen, ist nur der erste Filter. Innerhalb jeder Stadt hängt der Erfolg vom Viertel, vom Gehweg und vom Zeitfenster ab: Laufkundschaft, Büros, Universitäten, Tourismus und Einkommen des unmittelbaren Umfelds. Ein Lokal in der richtigen Straße einer mittelgroßen Stadt kann mehr abwerfen als ein schlecht gelegenes in Madrid.
Unser Bericht über den Markt für Spezialitätenkaffee in Spanien enthält die Spezialitätendichte nach Stadt (Lokale je 100.000 Einwohner), ein Scoring zur Priorisierung von Standorten und die Wettbewerbskarte Marke für Marke — damit die Wahl des Eröffnungsorts auf Daten und nicht auf Intuition beruht.